Deutschland liefert erstmals Gas an die Ukraine – eigene Speicher unter 30 % Füllstand

Deutschlands eigene Gasvorräte sinken, doch gleichzeitig fließt erstmals LNG aus Mukran weiter bis in die Ukraine. Diese neue Energieachse überrascht viele und wirft wichtige Fragen auf. Wie passt das zusammen, wenn deutsche Speicher nur noch rund 20 Prozent erreicht haben? Und warum spielt ausgerechnet ein Terminal auf Rügen plötzlich eine sicherheitspolitische Rolle?

Wie Deutschland zur Gasdrehscheibe für die Ukraine wird

Der neue Gasweg beginnt im Hafen Mukran auf Rügen. Dort legen große LNG-Tanker an, vor allem aus den USA. LNG bedeutet verflüssigtes Erdgas, das bei etwa minus 160 Grad transportiert wird. In Mukran regasifiziert der private Betreiber Deutsche ReGas die Lieferung. Nach diesem Schritt fließt das Gas über Pipelines weiter.

Die Route führt durch ehemalige Nord-Stream-Leitungen nach Lubmin. Von dort geht es über Polen in die Ukraine. Damit transportieren Leitungen, die einst für russisches Erdgas gebaut wurden, nun amerikanisches Gas Richtung Osten.

Deutsche ReGas betreibt laut eigenen Angaben das einzige private LNG-Terminal Deutschlands, das die Ukraine direkt versorgt. Für den ukrainischen Staatskonzern Naftogaz ist das eine „zuverlässige Importroute“. Sie soll im Winter helfen, den dortigen Gasbedarf zu decken.

Wie störanfällig der neue Lieferweg ist

Die Route klingt einfach, doch in der Praxis ist sie sensibel. Zwei Wochen lang konnten keine Schiffe anlegen, weil Eis den Hafen blockierte. Erst das Mehrzweckschiff „Mellum“ schaffte den Weg für den LNG-Tanker „Minerva Amorgos“ frei.

  • Verzögerungen durch Eis oder Sturm
  • Engpässe bei Spezialschiffen
  • Hohe Pipelineauslastung
  • Geopolitische Risiken entlang globaler Routen
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Besonders die Straße von Hormus bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Verkehrs passieren diese Region. Spannungen mit Iran führen regelmäßig zu Preisschwankungen und Sorgen vor Blockaden.

Die Gasspeicher sind fast leer – und dennoch fällt der Preis

Die europäischen Speicher liegen aktuell unter 31 Prozent. Deutschland steht mit rund 20,7 Prozent besonders niedrig da. Frankreich liegt bei etwa 21,1 Prozent.

Trotzdem fällt der Preis. Der europäische Großhandel notiert bei rund 31 Euro pro Megawattstunde. Das liegt an mehreren Faktoren:

FaktorWirkung
Niedriger Speicherstandstützt Preise, da Knappheitsrisiko bleibt
Hohe LNG-Liefermengendämpfen Preise
Mehr Wind- und Solarstromsenkt Bedarf der Kraftwerke
Geopolitische Risikensorgen für Nervosität

Analysten rechnen im Frühling mit stärkerer Wind- und Solarproduktion. Das könnte den Preis weiter entlasten, selbst wenn die Speicher niedrig bleiben.

Fünf deutsche LNG-Terminals als Sicherheitsnetz

Deutschland betreibt inzwischen fünf LNG-Terminals: in Brunsbüttel, Lubmin, Mukran und zwei schwimmende Anlagen in Wilhelmshaven. Der Ablauf ist überall gleich. Tanker liefern LNG an, es wird regasifiziert und ins Netz eingespeist. So bleibt Deutschland flexibler, falls Pipelinegas ausfällt.

LNG ist jedoch teuer. Verflüssigung, Transport und Regasifizierung kosten viel Energie und hohe Summen. Kritiker warnen, langfristig könnte das Land stärker an fossiles Gas gebunden werden. Befürworter sehen darin eine notwendige Brücke.

Was ein weiterer Kältewinter bedeuten könnte

Bei einem sehr kalten März und technischen Problemen an einem großen Terminal wären die Speicher schnell belastet. Dann müssten Versorger zusätzliche Tanker buchen. In extremen Fällen könnten Industrieanlagen zeitweise abgeschaltet werden. Haushalte gelten als besonders geschützt.

Ein anderes Szenario: hohe Wind- und Solarerträge, viele LNG-Lieferungen. Dann würden die Speicher schneller wieder gefüllt und der Markt hätte Luft.

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Welche Folgen die Ukraine-Lieferungen für Verbraucher haben

Viele fragen sich, ob Lieferungen an die Ukraine Deutschland schaden. Kurzfristig nicht. Die Ukraine bezahlt das Gas. Gleichzeitig kommen große Mengen LNG nach Europa. Weniger Gas für Kraftwerke wird gebraucht, da mehr Strom aus Wind und Sonne erwartet wird.

Doch die niedrigen Speicherstände bleiben ein Warnsignal. Je mehr Verpflichtungen bestehen, desto komplexer wird die Planung. Trotzdem stärkt jede Kilowattstunde, die die Ukraine erreicht, die europäische Stabilität. Ein energietechnischer Zusammenbruch im Nachbarland hätte direkte Folgen für die EU.

So wird die neue Route über Rügen mehr als eine technische Lösung. Sie zeigt, wie eng Energieversorgung und Sicherheitspolitik miteinander verbunden sind. Gerade in einem Winter, in dem die Speicher auf unter 30 Prozent gefallen sind, wird diese Entwicklung besonders sichtbar.

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